Videokonferenzsysteme im Vergleich

Welche Plattform ist die sicherste?

Video-Chat-Systeme haben wegen Corona Hochkonjunktur. Doch wie steht es um die Verschlüsselung bei Teams, Zoom & Co. und wo muss man in Sachen Security Kompromisse machen?
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CSO | 20. Dezember 2021 05:37 Uhr
Videokonferenzen werden auch nach Corona genutzt werden. Höchste Zeit, die Sicherheit der Plattformen unter die Lupe zu nehmen.
Videokonferenzen werden auch nach Corona genutzt werden. Höchste Zeit, die Sicherheit der Plattformen unter die Lupe zu nehmen.
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Die COVID-19-Pandemie zwingt viele Unternehmen dazu, ihre Mitarbeiter - soweit möglich - von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Dies erforderte eine Umstellung auf Cloud-basierte Infrastrukturen, mobile Anwendungen und gute Tools für Zusammenarbeit und Konferenzen. Die Umstellung war für die meisten Unternehmen einschneidend. Laut Statista arbeiteten vor der Pandemie nur 4 Prozent der Beschäftigten in Deutschland überwiegend oder gar ausschließlich im Home-Office. Im Januar 2021 stieg diese Zahl auf 24 Prozent.

Da die Produktivität in den meisten Fällen anstieg oder zumindest gleich blieb und sich auch andere Faktoren wie die Zufriedenheit der Kunden und Mitarbeiter verbesserten, ist anzunehmen, dass Remote Work auch in Zukunft in irgendeiner Form fortgesetzt werden soll. Höchstwahrscheinlich werden sich viele Mitarbeiter für Hybrid Work entscheiden, also weiterhin an einigen Tagen in der Woche im Büro, an den anderen von zu Hause aus arbeiten. Der Trick, damit eine hybride Umgebung effektiv funktioniert, sind gute Anwendungen für Meetings und Zusammenarbeit. Zu diesen gehören sicher Videokonferenz-Lösungen; diese haben sich schon während der COVID-19-Krise bewährt. Voraussetzung ist allerdings, dass sie zuverlässig, einfach zu bedienen und sicher sind. Wir haben uns die wichtigsten Videochat-Anwendungen angesehen, um herauszufinden, welche Sicherheitsfunktionen sie Unternehmen für die Nutzung in hybriden Umgebungen bieten.

Zoom

Einer der Gründe für die Beliebtheit der Zoom-Plattform ist ihre einfache Handhabung. Fast jeder kann die Anwendung für Windows, Mac, Linux, Android oder iOS herunterladen und mit der Zusammenarbeit beginnen. Sie ist nach wie vor eine der skalierbarsten Plattformen auf dem Markt, die bis zu 1.000 Videoteilnehmer in einem Anruf zulässt, die alle ihren Bildschirm freigeben und zusammenarbeiten können. Jeder Anruf kann auch bis zu 10.000 Zuschauer unterstützen, was beispielsweise Pressekonferenzen, Webinare und virtuelle Trainings ermöglicht, die weit über ein normales Einzelgespräch hinausgehen. Veranstaltungen können sogar auf beliebte Social-Media-Plattformen wie Facebook gestreamt werden, und Zoom unterstützt jetzt auch den Google-Kalender, um Teilnehmer einzuladen und Besprechungszeiten zu verfolgen.

In der Vergangenheit wurde bemängelt, dass Zoom nicht das versprochene Maß an Sicherheit bereitstellt. Mittlerweile hat der Dienst aber nachgebessert und verschlüsselt etwa alle Anrufe, einschließlich aller freigegebenen Inhalte, mit 256-Bit-TLS. Benutzer können außerdem einstellen, dass alle Teilnehmer persönlich verifiziert werden müssen, bevor sie Zugang zu einem Meeting erhalten. Die Einstellungen für die Zwei-Faktor-Authentifizierung von Zoom unterstützen jetzt das TOTP-Protokoll (Time-based One-Time Password) wie Google Authenticator, Microsoft Authenticator oder FreeOTP. Zoom kann auch einen Code per SMS oder Telefonanruf als zweiten Faktor des Authentifizierungsprozesses für das Konto senden.

Letztendlich ist Zoom auch wegen des Preises attraktiv. Während Unternehmen wahrscheinlich einen der Business-Tarife wählen werden, bietet Zoom weiterhin nahezu unbegrenzte Funktionalität für Anrufe bis zu 40 Minuten Länge kostenlos an. Dies gibt den Benutzern die Möglichkeit, das Programm auszuprobieren und zu nutzen und dann für ein Upgrade zu bezahlen, sobald sie sehen, wie alles funktioniert.

Tauria

Noch ein relativer Neuling auf dem Gebiet der Videokollaboration, bietet Tauria eine benutzerfreundliche Oberfläche, die auf ultimative Sicherheit und Datenschutz ausgelegt ist. Alles auf der Plattform ist durch eine 256-Bit-AES-Verschlüsselung geschützt, sowohl im Ruhezustand als auch bei der Übertragung. Die Schlüssel werden bei den lokalen Nutzern gespeichert, nicht bei Tauria, so dass alle Videoinhalte geschützt bleiben, auch vor dem Unternehmen selbst. Außerdem verspricht der Newcomer, dass die Verschlüsselungstechnologie auch für absehbare Zeit resistent gegen Quantencomputer ist.

Zusätzlich zu den Videokonferenzen unterstützt Tauria auch die gemeinsame Nutzung von Dateien. Die Nutzer können sich Dateien einfach per Drag & Drop über die Plattform senden, wobei diese genauso geschützt sind wie die Videoübertragungen. Die Plattform unterstützt bis zu 1.000 Benutzer und bietet gute Möglichkeiten, die Teilnehmer in verschiedene Arbeitsgruppen aufzuteilen. Die Benutzeroberfläche ist sehr übersichtlich und einfach zu bedienen, und die meisten fortgeschrittenen Funktionen sind auch ohne formale Schulung leicht zugänglich.

Google Meet

Google Meet ist insofern eine interessante Plattform, als sie ursprünglich für sichere Business-Meetings konzipiert wurde. Inzwischen wurde sie aber überarbeitet und steht für jedermann kostenlos zur Verfügung. Was die grundlegenden Funktionen angeht, ist Google Meet extrem einfach zu bedienen: Sie rufen in Ihrem Browser die Google-Meet-Homepage auf und können dann sofort ein Meeting starten.

Fortgeschrittene Nutzer können über die Plattform auch Gruppen für häufige Anrufe einrichten. Auch eine Konfiguration des Layouts der Videopanels, in denen sich die einzelnen Teilnehmer befinden werden, ist möglich. Für ein kostenloses Produkt ist der Funktionsumfang erstaunlich groß. Sie können sogar andere Tools wie Google Drive verwenden, um die vollständigen Aufzeichnungen von Besprechungen zur späteren Überprüfung zu speichern.

Alle Anrufe, die über Google Meet laufen, werden verschlüsselt, und wenn Sie diese Daten in Google Drive speichern, werden sie standardmäßig ebenfalls verschlüsselt. Abgesehen von einer umfangreichen Dokumentationsbibliothek gibt es nur wenig Unterstützung für das Programm, aber Unternehmen, denen die Verwaltung ihrer Videokonferenzen nichts ausmacht, werden auch neben dem Preis viel Gefallen an Google Meet finden.

Microsoft Teams

Microsoft Teams ist ein weiteres Schwergewicht in diesem Bereich und erfreut sich seit Beginn der Pandemie steigender Beliebtheit. Grund dafür ist unter anderem, dass die kostenlose Version unbegrenzte Gruppenbesprechungen mit bis zu 100 Teilnehmern für 60 Minuten sowie unbegrenzten Chat und Dateiaustausch zwischen den Nutzern ermöglicht. Das mag für einige Unternehmen und Arbeitsgruppen bereits ausreichen. Wer mehr braucht, kann mit Microsoft Teams Essentials für 3,40 Euro pro Monat und Nutzer die Besprechungszeiten auf bis zu 30 Stunden mit jeweils bis zu 300 Teilnehmern erhöhen.

Mit Teams ist es einfach, Personen zu Meetings einzuladen, und zwar sowohl innerhalb als auch außerhalb eines Unternehmens. Besprechungen können geplant werden, aber es ist auch einfach, sie sofort zu starten. Teams bietet außerdem eine große Menge an Cloud-Speicherplatz (abhängig vom ausgewählten Plan), so dass Besprechungen und Dateien zur späteren Ansicht aufgezeichnet werden können. Allgemein gilt, dass sämtliche Daten sowohl bei der Übertragung als auch im Ruhezustand verschlüsselt werden, einschließlich aller Daten, die in der Cloud gespeichert werden.

Cisco Webex

Auch Cisco hat sich auf das Konzept Hybrid Work eingestellt und seine neue Webex-Suite darauf ausgelegt, diesem neuen Bedarf gerecht zu werden. Zur Suite gehören Anwendungen für Anrufe, Meetings, Messaging, Abstimmungen, die Verwaltung von Veranstaltungen und Whiteboarding.

Das für hybride Arbeitsumgebungen umgestaltete Webex Meetings bietet Funktionen wie Breakout-Sitzungen und benutzerdefinierte Layouts sowie einige nette Extras wie das Überlagern des Videobildes einer Person über den von ihr freigegebenen Inhalt. Es bietet sogar eine Echtzeit-Übersetzung von Meetings in über 100 Sprachen und beseitigt damit ein langjähriges Hindernis für die internationale Zusammenarbeit.

Mit Cisco als Spezialisten für sichere Kommunikation ist es nicht verwunderlich, dass auch die Webex-Plattform zahlreiche Security-Features integriert hat: Alle Daten und Dateien werden verschlüsselt, sowohl im Ruhezustand als auch während der Übertragung. Außerdem muss sich jeder Benutzer vor der Teilnahme an einer Konferenz authentifizieren.

Zusätzlich zu diesen Sicherheitsfunktionen auf höchster Ebene, die sich durch die gesamte Plattform ziehen, bietet Cisco auch benutzerdefinierte Sicherheitsfunktionen, wie zum Beispiel die Durchsetzung von Policies für die Dateifreigabe und -speicherung, um Unternehmen bei der Einhaltung der Vorschriften und Regeln ihrer Branche zu unterstützen.

FaceTime

Facetime wurde von Apple entwickelt, um sichere Videokonferenzen mit bis zu 32 Personen zu ermöglichen. Voraussetzung für die Nutzung war lange, dass alle Teilnehmer über ein iPhone, iPad oder ein anderes Apple-Device verfügen. Mit iOS 15 und macOS Monterey können nun auch Android und Windows-Nutzer über den Browser an einem Facetime-Meeting teilnehmen. Sie sind dabei jedoch auf die Einladung eines Apple-Nutzers via öffentlichen Link angewiesen und können keine eigenen Meetings initiieren.

Ansonsten ist die Anwendung kostenlos und wie die meisten Apple-Produkte einfach zu bedienen. Außerdem bietet sie eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, so dass die Anrufe so sicher wie möglich sind.

Wenn Ihr gesamtes Unternehmen Apple-Geräte verwendet und Sie keine Besprechungen mit mehr als 32 Personen abhalten, ist FaceTime eine gute Wahl, da der Dienst einfach zu nutzen und völlig kostenlos ist.

Signal

Signal ist ein interessantes Produkt, weil es vollständig quelloffen ist und für absolute Sicherheit bei Videokonferenzen und Messaging sorgt. Alles wird verschlüsselt gesendet und dann von einem berechtigten Benutzer am anderen Ende des Gesprächs entschlüsselt.

Obwohl Verfechter des Datenschutzes auf Signal schwören, ist es als Business-Tool nur bedingt praktikabel. So kann man mit Signal zwar an Gruppen-Chats teilnehmen, es werden jedoch nur Eins-zu-Eins-Videokonferenzen unterstützt. Wegen dieser Einschränkung eignet sich die Lösung vielleicht für die Kommunikation zwischen Führungskräften in einem streng abgesicherten Unternehmen, aber nicht für den breiten Einsatz im Unternehmen.

WhatsApp

Die WhatsApp-Messenger-App, die meist nur WhatsApp genannt wird, begann als kostenloses Messaging-Programm und Voice-over-IP-Dienst (VoIP), bevor sie von Facebook/Meta übernommen wurde.

Der Schwerpunkt von WhatsApp liegt eindeutig auf der Nachrichtenübermittlung. Bis zu 250 Personen können gleichzeitig in Gruppen chatten und sich gegenseitig Nachrichten schicken. Dazu gehört auch der Austausch von Dateien, Videos, Audioclips und Textnachrichten, die alle von Anfang bis Ende verschlüsselt sind. Videokonferenzen beschränken sich auf Einzelgespräche, nutzen aber die drahtlose Verbindung des Telefons, um die Gespräche über das Internet zu führen, was im Wesentlichen kostenlos ist, solange sich das Gerät in Reichweite eines guten Wi-Fi-Signals befindet.

Datenschutztechnisch nach wie vor problematisch ist der Umstand, dass Nutzer aufgefordert werden, ihre Adressbuchdaten zu WhatsApp hochzuladen. Technisch nachvollziehbar, ist diese Praxis selbst bei rein interner Nutzung problematisch und nur mit Mühen (Dual SIM, getrennte Adressbücher) DSGVO-konform umsetzbar.

Wire

Wire wurde entwickelt, um sichere Video- und Audiokonferenzen zu ermöglichen. Die Plattform ist mit einer sicheren Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ausgestattet. Sie ist immer aktiv und kann nicht deaktiviert werden.

Daneben bietet Wire viele nützliche Funktionen, wie die Möglichkeit, Gruppen von Personen zu erstellen, die an regelmäßigen Anrufen teilnehmen, und die Integration mit den meisten Kalenderanwendungen, einschließlich Google und Outlook, für die Terminplanung. Wire unterstützt zwar nicht so viele Teilnehmer wie die größeren Conferencing-Plattformen. Maximal können aber bis zu 50 Personen per Video unterhalten. Bei einer rein audiobasierten Unterhaltung werden bis zu 100 Teilnehmer unterstützt. (mb)

John Breeden II ist Journalist mit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Technologieumfeld und CEO von Tech Writers Bureau.