Was ist ein Botnet?

Ein Botnet ermöglicht Cyberkriminellen unter anderem, Malware in großem Stil zu verbreiten und DDoS-Attacken zu initiieren.
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CSO | 11. April 2022 05:05 Uhr
Ein Botnetz besteht aus vielen "Zombie"-Rechnern und lässt sich beispielsweise einsetzen, um DDoS-Attacken zu fahren. Das sollten Sie zum Thema wissen.
Ein Botnetz besteht aus vielen "Zombie"-Rechnern und lässt sich beispielsweise einsetzen, um DDoS-Attacken zu fahren. Das sollten Sie zum Thema wissen.
Foto: FOTOKITA - shutterstock.com

Kriminelle Hacker suchen stets nach Möglichkeiten, Malware in großem Umfang zu verbreiten oder Distributed-Denial-of-Service (DDoS)-Angriffe zu fahren. Ein Botnet eignet sich dazu besonders gut.

Botnet - Definition

Ein Botnet ist eine Sammlung von mit dem Internet verbundenen Geräten, die von einem Angreifer kompromittiert wurden, um DDoS-Angriffe und andere "Tasks" im "Schwarm" auszuführen. Die Idee dahinter: Jeder Rechner, der Teil des Botnetzes wird, wird zu einem "Zombie"-Rechner - ein hirnloser Bestandteil eines großen Netzwerks identischer Bots.

"Malware infiziert einen Computer, der dem Botnet-Betreiber zurückmeldet, dass der Rechner nun bereit ist, blindlings Befehle zu befolgen", erklärt Nasser Fattah, North America Steering Committee Chair bei Shared Assessments. "Das geschieht ohne das Wissen des Benutzers. Das Ziel besteht darin, das Botnetz weiter auszubauen, um großangelegte Angriffe zu automatisieren und zu beschleunigen."

Botnets - Architektur

Botnetze sind ein Beispiel für verteilte Computersysteme, die über das Internet betrieben werden. Die Personen oder Teams, die ein Botnet betreiben, sogenannte "Controller" oder "Herders", müssen möglichst viele "Zombies" für ihre Armee rekrutieren - und dann deren Aktivitäten koordinieren, um Profit zu machen. Die Architektur, die zur Bildung und Aufrechterhaltung von Botnets beiträgt, besteht aus mehreren Komponenten:

Botnet-Malware: Cyberkriminelle übernehmen die Kontrolle über die Zielcomputer mithilfe von Malware. Es gibt eine Vielzahl von Vektoren, über die Malware auf einen Computer gelangen kann - von Phishing- und Watering-Hole-Angriffen bis hin zur Ausnutzung ungepatchter Sicherheitslücken. Der bösartige Code ermöglicht es Angreifern, kompromittierte Rechner zu Aktionen zu zwingen, ohne dass der Besitzer davon etwas bemerkt. "Die Malware selbst versucht oft nicht, etwas zu stehlen oder Schaden anzurichten", erklärt Jim Fulton, Vice President beim Sicherheitsanbieter Forcepoint. "Stattdessen versucht sie, im Verborgenen zu bleiben, damit die Botnet-Software unbemerkt weiterarbeiten kann."

Botnet-Drones: Sobald ein Gerät vom Angreifer übernommen wurde, wird es zur "Drone" - quasi einem "Fußsoldat" oder "Zombie" innerhalb der Botnetz-Armee -, der allerdings über ein gewisses Maß an Autonomie und in einigen Fällen auch über künstliche Intelligenz verfügt. "Eine Botnet-Drone kann andere Computer und Geräte mit einer gewissen Intelligenz rekrutieren, wodurch es schwieriger wird, sie zu finden und zu stoppen", weiß Andy Rogers, Senior Assessor bei Schellman. "Sie findet anfällige Hosts und lädt sie ohne Wissen des Benutzers in das Botnetz ein."

In Botnet Drones lassen sich alle Arten von Geräten verwandeln, die mit dem Internet verbunden sind, von PCs über Smartphones bis hin zu IoT-Devices. Letztere, etwa internetfähige Sicherheitskameras oder Kabelmodems, könnten für Angreifer sogar besonders interessant sein, wie Dave Marcus, Senior Director of Threat Intelligence bei LookingGlass Cyber, erklärt: "Bei solchen Devices neigen die Leute dazu, zu vergessen, dass sie da sind, weil man sie einmal einschaltet, und dann nicht mehr beachtet. Dazu kommt, dass viele Leute bei Routern und Switches keine Updates durchführen wollen, aus Angst, dabei etwas falsch zu machen. In beiden Fällen kann das dazu führen, dass die Geräte ungepatcht und damit angreifbar bleiben."

Ganz wesentlich ist jedoch, dass es viele dieser Botnet Drones gibt und diese legitim wirken, wie Ido Safruti, Mitbegründer und CTO von PerimeterX zu bedenken gibt: "Indem legitime Geräte mit Malware infiziert werden, gewinnen Botnetz-Betreiber Ressourcen, die private IP-Adressen nutzen und wie legitime Nutzer aussehen sowie darüber hinaus auch kostenlose Rechenressourcen, um Aufgaben auszuführen."

Botnet Command & Control: Das letzte Teil des Puzzles ist der Mechanismus, mit dem die Botnetze gesteuert werden. Frühe Botnets wurden in der Regel von einem zentralen Server aus gesteuert. Das machte es jedoch relativ leicht, das gesamte Netzwerk auszuschalten, indem dieser zentrale Knotenpunkt abgeschaltet wird. Moderne Botnetze operieren mit einem Peer-to-Peer-Modell, bei dem Befehle von Drone zu Drone weitergegeben werden, sobald diese ihre individuellen Malware-Signaturen über das Internet erkennen. Die Kommunikation der Bot-Herder und zwischen den Bots kann über verschiedene Protokolle erfolgen. Dabei kommt immer noch häufig das Oldschool-Chatprotokoll Internet-Relay-Chat (IRC) zum Einsatz, da es relativ leichtgewichtig ist und leicht auf Bots installiert werden kann, ohne viele Ressourcen zu beanspruchen. Es kommen aber auch eine Reihe anderer Protokolle zur Anwendung, darunter Telnet und normales HTTP, was die Erkennung des Datenverkehrs erschwert. Einige Botnets nutzen besonders kreative Mittel zur Koordination, und veröffentlichen Befehle auf öffentlichen Websites wie Twitter oder GitHub.

So wie die Botnetze selbst sind auch die verschiedenen Komponenten ihrer Architektur verteilt. "Kriminelle Hacker sind Spezialisten und die meisten Gruppen arbeiten in einem losen Verbund mit anderen Gruppen zusammen", meint Garret Grajek, CEO von YouAttest. "In der Cybercrime-Welt kann es eine Gruppe geben, die eine neue, unveröffentlichte Schwachstelle ausnutzt, eine andere, die dann die Nutzlast des Botnetzes erstellt und eine weitere, die das Command & Control Center kontrolliert."

Botnetze - Angriffsarten & Beispiele

Distributed Denial of Service (DDoS)-Angriffe sind wahrscheinlich die bekannteste und beliebteste Art von Angriffen, die über Botnetze initiiert werden. Im Rahmen dieser Angriffe versuchen Hunderte oder Tausende von kompromittierten Computern, einen Server oder eine andere Online-Ressource mit Anfragen zu überlasten und diese so außer Betrieb zu setzen. Das ist ohne Einsatz eines Botnet nicht möglich. Zudem sind DDoS-Attacken einfach zu initiieren, da fast jedes kompromittierbare Device über Internetkonnektivität und einen zumindest rudimentären Webbrowser verfügt.

Doch es gibt noch viele weitere Möglichkeiten für Angreifer, ein Botnetz zu nutzen. Die Zielsetzung der Angreifer kann dabei über die Art der Geräte bestimmen, die infiziert werden sollen, wie Marcus erklärt: "Wenn ich mein Botnet für Bitcoin-Mining nutzen möchte, habe ich es vielleicht auf IP-Adressen in einem bestimmten Teil der Welt abgesehen, weil diese Maschinen generell leistungsfähiger sind - sie haben einen Grafikprozessor und eine CPU und die Benutzer werden nicht unbedingt bemerken, dass im Hintergrund geschürft wird."

Die Opfer der Angriffe bekommen zwar die kriminelle Energie derjenigen zu spüren, die das Botnet kontrollieren - die Besitzer der Bots selbst sollen jedoch, wenn es nach den Angreifern geht, nichts davon bemerken, was ihre Rechner anrichten. "Was passiert, hängt einfach davon ab, wie viel sich der Betreiber herauszunehmen bereit ist. Der Einsatz einer hochfunktionalen Malware, die viele verschiedene Dinge tut, erhöht die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden, weil der Besitzer Performance-Probleme seines Rechners auffallen könnten."

Heutzutage sorgen zwar vor allem DDoS-Angriffe im Zusammenhang mit Botnetzen für Aufmerksamkeit - das allererste Botnet wurde allerdings kreiert, um Spam zu verbreiten. Khan C. Smith baute 2001 eine Bot-Armee auf, um sein Spam-Imperium auszubauen und verdiente damit Millionen von Dollar. Bis er schließlich vom Internetdienstleister EarthLink (erfolgreich) auf Schadensersatz in Höhe von 25 Millionen Dollar verklagt wurde.

Eines der wichtigsten Botnetze der letzten Jahre basierte auf der Schadsoftware Mirai und legte 2016 kurzzeitig einen großen Teil des Internets lahm. Mirai wurde von einem College-Studenten aus New Jersey geschrieben und entstand aus einer Auseinandersetzung zwischen Server-Hosts des populären Videospiels Minecraft. Das Botnet zielte speziell auf TV-Kameras mit Internetverbindung ab - ein Beleg dafür, wie bedeutend IoT-Gerätschaften in diesem Zusammenhang sind.

Es gibt jedoch noch zahlreiche andere Beispiele für Botnetze, weiß Kevin Breen, Director of Cyber Threat Research bei Immersive Labs: "Größere Botnets wie TrickBot nutzen Malware wie Emotet, die sich bei der Installation eher auf Social Engineering stützt. Diese Botnetze sind in der Regel widerstandsfähiger und werden für die Installation zusätzlicher, bösartiger Software wie Banking-Trojaner und Ransomware verwendet. In den letzten Jahren haben die Strafverfolgungsbehörden mehrfach - mit vereinzelten Erfolgen - versucht, die großen, kriminellen Botnetze zu zerstören. Diese scheinen sich im Laufe der Zeit jedoch immer wieder zu erholen."

Botnet kaufen - so geht's

Viele Cyberkriminelle bauen ihre Botnets nicht für den persönlichen Gebrauch auf, sondern um sie zu verkaufen. Diese Geschäfte laufen mehr oder weniger klandestin ab. Allerdings lassen sich mit einer einfachen Google-Suche schon relativ leicht Services finden, die euphemistisch als "Stresser" oder "Booter" bezeichnet werden: "Diese SaaS-Lösungen können ganz einfach - zum Beispiel über Paypal - gebucht werden - eigentlich, um die Belastbarkeit des eigenen Netzwerks zu testen. Einige dieser Serviceanbieter verkaufen ihre Dienste allerdings an jeden - ohne Auftraggeber oder Ziel zu überprüfen", weiß Fattah.

Auch Security-Spezialist Breen ist der Meinung, dass jeder, der Botnet-Software herunterladen möchten, diese auch finden wird: "Wer nach den richtigen Begriffen sucht, landet schnell in einschlägigen Foren, wo neben entsprechenden Services oft auch Quellcode und geleakte Botnetze angeboten werden. Solche Angebote werden wird typischerweise von den berühmten 'Skript-Kiddies' genutzt, die damit zum Beispiel die Verbreitung von Krypto-Minern vorantreiben wollen." Die echten Profis operieren hingegen im Darknet und können schwieriger zu finden sein: "Spezialisierte Darknet-Marktplätze werden in der Regel moderiert und sind nur auf Einladung zugänglich", weiß Josh Smith, Analyst für Cyberbedrohungen bei Nuspire. "Hat man jedoch einmal Zugang erlangt, ist der weitere Prozess bemerkenswert kundenfreundlich ausgestaltet - inklusive Reputationssystem für Verkäufer."

"Viele dieser Services bieten ein simples Interface, mit dem ein Botnet auf eine IP oder URL ausgerichtet und der Angriff dann mit einem Knopfdruck gestartet wird. Die Benutzer können Websites und Server direkt von Ihrem Browser aus lahmlegen und bleiben durch die Bezahlung mit Kryptowährungen weitgehend anonym", erklärt Rogers. "Anspruchsvollere Bedrohungsakteure wie Ransomware-Banden arbeiten möglicherweise direkt mit den Betreibern großer Botnetze wie TrickBot zusammen, um großangelegte Spear-Phishing-Kampagnen anzustoßen", meint Laurie Iacono, Associate Managing Director of Cyber Risk bei Kroll. "Sobald die Rechner infiziert sind, sammelt Malware Informationen, die Ransomware dabei hilft, das Netzwerk zu infiltrieren."

Die Kosten für einen solchen Botnet-Service sind dabei relativ überschaubar, wie Anurag Gurtu, CPO von StrikeReady, preisgibt: "Der Zugang zu einem Botnet kann bis zu zehn Dollar pro Stunde kosten." Dabei bekommen die Nutzer das, wofür sie bezahlen: "Wenn man einen ganz bestimmten Bot in einem spezifischen Teil der Welt haben möchte, steigen die Preise", meint Marcus. "In bestimmten Teilen der Welt gibt es qualitativ bessere Rechner. Ein Botnetz, das auf Maschinen und IP-Adressen in den USA basiert, ist beispielsweise erheblich teurer als eines innerhalb der EU, weil die Rechner in den Staaten leistungsfähiger sind."

Botnetz-Angriffe verhindern: Maßnahmen

Die Absicherung gegen Botnets kann zwei verschiedene Formen annehmen:

  • Entweder Sie verhindern, dass Ihre eigenen Geräte zu Bots werden oder

  • Sie wehren Angriffe ab, die über Botnetze gestartet werden.

In beiden Fällen gibt es wenige Verteidigungsmöglichkeiten, die nicht bereits Bestandteil einer ordentlichen Sicherheitsstrategie ist:

  • Hacker verwandeln Geräte häufig mit Malware in Zombie-Rechner, die über Phishing-E-Mails verbreitet wird. Sie tun also gut daran, Ihre Mitarbeiter in Sachen Phishing umfassend aufzuklären.

  • Auch unzureichend abgesicherte IoT-Geräte werden oft in Botnetze integriert. Stellen Sie also sicher, dass solche Devices nicht das herstellerseitig gesetzte Standardpasswort nutzen.

  • Gelingt es Cyberkriminellen, Malware auf Ihren Computern einzuschleusen, benötigen Sie eine aktuelle Antivirus-Lösung, um sie zu erkennen.

  • Wenn Sie Opfer eines DDoS-Angriffs werden, können Sie den bösartigen Traffic herausfiltern oder Ihre Kapazitäten mit Hilfe eines Content Delivery Network aufstocken.

Darüber hinaus gibt es auch einige Botnet-spezifische Techniken, die Sie einsetzen können, um sich zu schützen. Breen schlägt beispielsweise vor, auf verdächtigen Datenverkehr achten: "Eine Datenflussanalyse klingt kompliziert, kann aber Botnet-Command-and-Control-Traffic zu Tage fördern."

"Wir verwenden mehrere Tools, um Botnetze zu stoppen", erläutert Mark Dehus, Director of Threat Intelligence bei Lumen Black Lotus Labs. "Sobald ein neues Malware-Sample entdeckt wird, können wir beispielsweise die Methoden, mit denen es sich an einen Command & Control-Server meldet, mit Reverse Engineering nachvollziehen. So können wir einen Bot emulieren, der sich mit verdächtigen Servern verbinden, sie validieren und die Befehle überwachen kann, die sie an die Bots übermitteln. Der Kampf gegen Botnetze und ihre Betreiber ist langwierig, aber wir hoffen, das Blatt wenden zu können."

Florian beschäftigt sich mit vielen Themen rund um Technologie und Management. Daneben betätigt er sich auch in sozialen Netzen.
Maria Korolov berichtet seit über zwanzig Jahren über aufstrebende Märkte und Technologien. Sie schreibt für die US-amerikanische IDG-Publikation CSO.