Sinkende Börsenkurse erwartet

Turbulenzen auf dem Security-Markt

Viele IT-Security-Unternehmen geraten aufgrund der sinkenden Aktienkurse und der wirtschaftlichen Talfahrt in Schwierigkeiten. Sie greifen zum letzten Mittel: Entlassungen.
Von 
CSO | 07. Juli 2022 12:45 Uhr
Von einem Bärenmarkt spricht man, wenn die Aktienkurse an der Börse fallen. Dies erwarten Cybersicherheitsunternehmen und versuchen nun, sich durch Entlassungen finanziell zu stabilisieren.
Von einem Bärenmarkt spricht man, wenn die Aktienkurse an der Börse fallen. Dies erwarten Cybersicherheitsunternehmen und versuchen nun, sich durch Entlassungen finanziell zu stabilisieren.
Foto: Lightspring - shutterstock.com

Eigentlich haben es sich IT-Sicherheitsunternehmen zur Aufgabe gemacht, Cyberkriminelle zu bekämpfen und das Internet sicherer zu machen. Doch derzeit scheinen sie sich eher mit sich selbst als mit ihren Kunden zu beschäftigen. Die andauernden Marktturbulenzen bringen vor allem jüngere Unternehmen in Turbulenzen.

Obwohl das Marktforschungsunternehmen Gartner dem IT-Markt Wachstum prognostiziert und bis 2023 weltweite Ausgaben von rund 4,7 Billionen Dollar vorhersagt, müssen viele Cybersicherheits-Startups dem andauernden Kursverfall an den Börsen Tribut zollen.

Angst vor dem Bärenmarkt

Wie das Wall Street Journal schreibt, wurden seit Ende Mai diesen Jahres bereits etwa 1.400 Arbeitnehmer aus Cyber- und Datenschutzunternehmen entlassen. Und das, obwohl diese Firmen in den vergangenen Jahren Hunderte von Millionen Dollar verdient haben.

So berichtet die Tageszeitung, dass allein der Softwarehersteller OneTrust im Mai etwa 950 Menschen entlassen habe, obwohl er im Jahr 2020 noch einen Marktwert von 5,3 Milliarden Dollar erreicht hatte. CEO Kabir Barday kommentierte die Entlassungen in einem Blogbeitrag: "Meine Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass OneTrust gedeiht und in der richtigen Position für ein nachhaltiges Wachstum ist. Leider ist es erforderlich, unsere Mitarbeiterzahl zu reduzieren und uns an die Stimmung an den Kapitalmärkten anzupassen, um unsere Führungsposition zu halten."

Bei IronNet habe es im Juni ähnlich ausgesehen: Das Journal schreibt, der Hersteller habe 55 Mitarbeiter entlassen, trotz eines Umsatzvolumens von fast 137 Millionen Dollar zum Zeitpunkt des Börsengangs im Jahr zuvor. IronNet wolle sich nun auf ein "rationaleres Wachstum in der Zukunft vorbereiten".

Sinkende Aktienkurse und scheue Investoren

Durch die Corona-Pandemie hat die IT-Security-Branche einen Schub erhalten, die Aktienkurse börsennotierter Unternehmen schossen in die Höhe und bei den Investoren saß das Geld locker. Doch mit steigender Inflation und anziehenden Zinsen steigt die Angst vor einer Rezession, die Aktienkurse sind zuletzt stark gefallen.

Deshalb prüfen Venture-Capital-Gesellschaften Investitionen in Cybersicherheitsfirmen heute viel genauer. Andererseits bleibt die Bedrohungslage etwa aufgrund von Ransomware- und DDoS-Angriffen hoch. Gleichzeitig spielen die immer strenger werdenden Datenschutzvorgaben der Industrie in die Hände. Die Nachfrage nach Lösungen und Services rund um Cybersicherheit und Datenschutz ist ungebrochen.

Wenn bei den Security-Anbietern Personal abgebaut wird, kann sich das unmittelbar auf deren Kunden auswirken, die möglicherweise länger auf die Hilfe von Sicherheitsexperten warten müssen. Das Wall Street Journal nennt weitere Unternehmen, die in den vergangenen Monaten Mitarbeiter entlassen haben:

  • Im Juli 2021 habe Cybereason 275 Millionen Dollar von Investoren erhalten und wollte ursprünglich im Laufe eines Jahres seine Mitarbeiterzahl auf etwa 1.400 Personen verdoppeln. Tatsächlich erfolgten im Juni 2022 Entlassungen.

  • Erst sammelte der Cloud-Sicherheitsanbieter Lacework 1,8 Milliarden Dollar von Investoren ein, dann entließ er Ende Mai 2022 etwas 20 Prozent seines Personals. Dieser Schritt hätten darauf abgezielt, dem Unternehmen zu helfen, profitabler zu werden, sagte Co-CEO Jay Parikh.

  • Guy Caspi, CEO von Deep Instinct, erklärte, dass es bei der Entlassung von 50 Mitarbeitern im Juni 2022 nicht um mehr Chashflow gegangen sei, sondern darum, dass vor allem kleine und mittlere Kunden zu wenig Rendite abwerfen würden. Die Betreuung dieser Kunden "war nur Zeitverschwendung", zitiert das Journal Caspi.

Tim McAdam ist Partner der Investment-Firma TCV, die an OneTrust beteiligt ist. Er habe den rund 80 Technologieunternehmen im Portfolio von TCV geraten zum Beispiel die Marketingkosten zu senken, um durch die Markturbulenzen zu kommen. "Wir kommen alle irgendwie durch diese Zeit, aber nicht ohne Fahrplan", sagt McAdam.

Melanie Staudacher ist Editor bei CSO. Ihr Schwerpunkt ist IT-Security.