E-Learning-Plattformen

So werden Schulungsmaßnahmen erfolgreich

Für viele Arbeitnehmer sind Weiterbildungen zu Datenschutz oder Cyberabwehr notwendige Übel. E-Learning und Gamification können die Motivation unterstützen.
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CSO | 19. September 2022 05:48 Uhr
Alleine oder zu zweit, im Büro oder im Homeoffice: E-Learning-Einheiten können unabhängig von Ort und Zeit durchgeführt werden.
Alleine oder zu zweit, im Büro oder im Homeoffice: E-Learning-Einheiten können unabhängig von Ort und Zeit durchgeführt werden.
Foto: GaudiLab - shutterstock.com

Unternehmen,die IT-Sicherheit grundlegend angehen und nachhaltig im Bewusstsein ihrer Mitarbeiterschaft verankern wollen, müssen einerseits viel Zeit einplanen und andererseits dafür Sorge tragen, dass Lerninhalte, etwa zu aktuellen Sicherheitsvorfällen, kurzfristig allen Angestellten bereitgestellt werden. Denn Informationen zu neuen Angriffsmethoden, wie beispielsweise als Bewerbungsunterlagen getarnte Trojaner, müssen schnellstmöglich die relevanten Mitarbeitenden, in diesem Fall die HR-Abteilung, erreichen.

E-Learning-Plattformen setzen genau hier an. Vor allem große und international agierende Unternehmen mit verteilten Standorten profitieren hiervon, da sie, dozentenunabhängig, überall einheitliche Standards und Inhalte vermitteln können. Die Lerninhalte lassen sich schnell integrieren und stehen allen Teilnehmenden sofort zur Verfügung.

Lesetipp: So begeistern Sie für IT-Sicherheit

E-Learning als Standard oder Alternative?

Für Vorstände, Geschäftsführende und Personalverantwortliche, die klassischerweise das Budget für Lern- und Weiterbildungsmaßnahmen verwalten, ergeben sich dazu zwei Fragen:

  1. Können digitale Trainings Präsenzcoachings aus inhaltlicher Sicht komplett ersetzen?

  2. Sind digitale Trainings didaktisch so fundiert wie Präsenzworkshops?

Vor allem aufgrund der Corona-Pandemie mussten sich Unternehmen umstellen, die sich vorher auf Präsenzformate verlassen haben. Doch Präsenzschulungen sind nicht obsolet geworden. Für einzelne Personen oder kleinere Gruppen im Unternehmen, die spezielles Detailwissen benötigen, wie zum Beispiel Datenschutzbeauftragte, finden Vor-Ort-Maßnahmen immer noch Anwendung. Auch die Schulung von Ersthelfenden in Präsenz ist sinnvoll.

Dagegen gibt es Themen wie Kartellrecht, Compliance oder IT-Sicherheit, die wichtig für einen gesetzeskonformen und langfristigen Geschäftserfolg sind. Um Fehlverhalten der Belegschaft vorzubeugen, müssen die Mitarbeiter auch in diesen Bereichen geschult werden – und zwar alle, ohne Ausnahme. Bisher galt die Annahme, dass unternehmenskritische Inhalte wie IT-Sicherheitsschulungen vor Ort mit Anwesenheitspflicht präsentiert werden sollten. Ab einer bestimmten Unternehmensgröße lassen sich verpflichtende Präsenzschulungen jedoch oft kaum beziehungsweise nur mit großem organisatorischen Aufwand realisieren.

Nachhaltiges Wissen in wenig Zeit

Die Geschichte des E-Learnings reicht weit ins 20. Jahrhundert zurück und zeigt immer wieder die Wandelfähigkeit der Wissensvermittlung. Aktuell gehören immer noch Videos und Multiple-Choice-Tests zum Repertoire so mancher E-Learning-Plattform. Was sorgt aber dafür, dass Lernende nachhaltig lernen und die Inhalte in ihrem Arbeitsalltag anwenden? Trainingsanbieter und -entwickler richten den Fokus verstärkt auf die sogenannte Lerntransfermaximierung. Das bedeutet eine Festigung von Wissen ab dem ersten Moment eines Trainings. Es geht also darum, dass die Lernenden nicht viel Zeit am Stück in einem viel zu langen Training verbringen müssen, damit zumindest ein bisschen Inhalt hängen bleibt.

Dabei ist der Blick zunächst auf die psychologischen Grundlagen zu richten, auf deren Basis moderne E-Learning-Formate entwickelt werden. In der Diskussion um „moderne Formate“ fällt der Terminus “Gamification” am häufigsten. Dabei wird der Begriff, strenggenommen, falsch angewandt, denn Gamification ist nur der Überbegriff für verschiedene spielerische Elemente, welche genutzt werden. Wenn von Gamification die Rede ist, ist meistens eher Game-based Learning gemeint. Das Game-based Learning beschreibt ein Lernparadigma, also ein ganzes Lernformat, welches zum überwältigenden Teil auf hochinteraktive Elemente setzt. Serious Games sind ein Paradebeispiel für Game-based Learning.

Motivation ist der Schlüssel

Serious Games oder andere interaktive E-Learnings wollen in ihrer Aufmachung die intrinsische Motivation, also die, die den Spielenden von sich aus antreibt, ansprechen. In der Theorie ist das recht einfach umzusetzen: es braucht ein klares Ziel, eine direkte Ansprache sowie einen gewissen Grad an Emotionalität und Spaß. Daher bieten sich gerade die Serious Games an, wenn es darum geht, in einem Training intrinsische Motivation mit all ihren Vorteilen zu schaffen.

Das E-Learning-Spiel sollte eine Geschichte und liefern und ein Ziel haben, auf das hingearbeitet wird. Motivation, welche sich Lernende selbst schaffen, ist immer nachhaltiger als Motivation, welche von außen erst durch Anreize wie Zertifikate, Beförderungen oder gar Geld geschaffen werden muss. Spielerische Formate machen das Lernen leichter und der Lerntransfer wird entsprechend maximiert.

Daher ist die Schaffung intrinsischer Motivationsansätze einer der zentralen Punkte bei der Konzeption moderner, nachhaltiger E-Learnings. Dies lässt sich gut an einem speziellen Gebiet der Weiterbildung verdeutlichen: im Bereich der (Cyber-)Security-Awareness-Trainings. Hier ist es wichtig, dass die Lernenden motiviert sind und die Trainingsinhalte verinnerlichen, sodass das Gelernte im besten Fall zu einer Verhaltensänderung führt. Wenn Mitarbeitende bei verdächtigen E-Mails richtig handeln oder sichere, weil komplexe Passwörter nutzen, leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur IT-Sicherheit. (bw)

Christian Laber ist Specialist E-Learning bei G DATA CyberDefense. Er ist seit 2020 bei G DATA. Zuvor war er als Unternehmensberater im Bereich People Development und als Projektleiter für LMS und E-Learning-Projekte tätig.