Meta killt Fake-News-Netzwerke

Russen fälschen den "Spiegel" zu Propagandazwecken

Facebook-Mutterkonzern Meta hat nach eigenen Angaben zwei Desinformationskampagnen zerschlagen, die von Russland und China aus gesteuert wurden.
Von Redaktion Computerwoche
CSO | 28. September 2022 12:05 Uhr
Meta hat im Kampf gegen chinesische und russiche Fake-News-Armeen Siege errungen.
Meta hat im Kampf gegen chinesische und russiche Fake-News-Armeen Siege errungen.
Foto: Branko Devic - shutterstock.com

Wie Meta in einem Blogpost mitteilt, hat eine chinesische Kampagne vor allem auf bestimmte Zielgruppen in den USA und Tschechien abgezielt. Russische Manipulatoren versuchten vor allem deutsche Social-Web-Nutzer zu erreichen. Die Angreifer setzten dabei auch darauf, Webseiten von großen Medienhäusern zu fälschen.

China zielt auf US-Kongresswahlen

Laut Meta hat eine von China ausgehende Desinformationskamapgne erstmals gezielt versucht, US-Bürger über innenpolitische Themen im Vorfeld einer Wahl anzusprechen (die Wahlen zum US-Kongress stehen im November 2022 an). Dabei nahmen die Angreifer sowohl die linke als auch rechte Seite des politischen Spektrums ins Visier.

Darüber hinaus sei auch die Tschechische Republik in kleinerem Umfang Ziel einer chinesischen Kampagne gewesen. "In Tschechien richteten sich die Aktivitäten in erster Linie gegen die Regierung und kritisierte deren Support für die Ukraine", schreiben die Meta-Experten.

Die Inhalte, die im Rahmen der Kampagnen über Facebook, Instagram, Twitter und zwei tschechische Petitionsplattformen verbreitet wurden, sind laut Meta zu den in China typischen Arbeitszeiten gepostet worden. Die Interaktionsraten seien allerdings überschaubar ausgefallen. Viele User hätten bemerkt, dass es sich um manipulative Nachrichten gehandelt habe, die über Fake-Accounts verbreitet wurden.

Russland setzt auf Raffinesse und Brute Force

Im Fall des russischen Szenarios wurde deutlich mehr Aufwand betrieben. Neben Deutschland nahmen die Täter auch Frankreich, Italien, Großbritannien und die Ukraine selbst ins Visier. Die Desinformationskampagne lief laut Meta im Mai 2022 an. Dabei bildete ein Netzwerk aus mehr als 60 Fake-Webseiten das Herzstück. Die gefälschten Webpräsenzen wurden denen diverser großer Medienhäuser nachempfunden - darunter "Der Spiegel", "The Guardian" und "Bild".

Die wesentliche Botschaft der Kampagne: Russland sei mit seinem Angriffskrieg im Recht, die westlichen Sanktionen würden nicht greifen. Dazu wurden "Nachrichten"-Artikel, Memes und Videos über diverse Plattformen verbreitet, darunter Facebook, Telegram, Twitter, Petitions-Webseiten wie Change.org oder auch die Blogging-Seite LiveJournal. In einigen Fällen seien die Inhalte über Facebook-Seiten von russischen Botschaften in Europa und Asien weiterverbreitet worden.

"Es ist die größte und komplexeste russische Operation, die wir seit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine zerschlagen konnten. Diese Kampagne stellte eine ungewöhnliche Kombination aus Raffinesse und Brute Force dar. Die gefälschten Webseiten und der Einsatz vieler verschiedener Sprachen verdeutlichen den Aufwand, der hier betrieben wurde. Die Verbreitung über Social-Media-Kanäle setzte dagegen eher auf grobschlächtig aufgemachte Werbeanzeigen und Fake Accounts", heißt es im Blogpost.

Nach eigenen Angaben hat Meta seine Erkenntnisse mit anderen Tech-Unternehmen, Security-Forschern, Regierungen und Behörden geteilt, damit diese ebenfalls tätig werden können. Tiefergehende Informationen zu den Desinformationskampagnen und ihren konkreten Inhalten finden Sie im CIB-Report (PDF) von Meta. (fm)