Burladingen in Baden-Württemberg

Hacker erpressen die nächste Kommune

Eine weitere Kommune in Deutschland wurde Opfer einer Cyberattacke und war vorübergehend handlungsunfähig. Solche Angriffe sind keine Seltenheit.
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CSO | 20. Juli 2022 05:31 Uhr
Idyllisch liegt die Kleinstadt Burladingen in Baden-Württemberg. Doch am 13. Juli griffen Hacker die IT-Systeme des Rathauses an und störten die Ruhe.
Idyllisch liegt die Kleinstadt Burladingen in Baden-Württemberg. Doch am 13. Juli griffen Hacker die IT-Systeme des Rathauses an und störten die Ruhe.
Foto: Schlesier52 - shutterstock.com

Am Mittwochmorgen des 13. Juli 2022 bemerkten die Mitarbeiter des Rathauses in Burladingen, dass das IT-Netzwerk des Rathauses nicht mehr funktionierte, da sie keine E-Mails verschicken konnten, berichtet der "Schwarzwälder Bote". Schnell fand ein Experte heraus, dass die Server der Stadtverwaltung bei einer Cyberattacke verschlüsselt wurden.

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Ransomware-Angriff auf Stadt Burladingen

Auf den Servern des Rathauses hatte der Hacker eine Erpressungsnachricht mit Anweisungen auf Englisch hinterlassen. Diese besagte, dass die Daten auf den Servern gehackt und verschlüsselt worden seien. Um weitere Anweisungen zu erhalten, solle man auf die folgenden Links klicken.

"Das haben wir natürlich nicht gemacht", sagte Bürgermeister Davide Licht. Stattdessen hätten er und seine Kollegen sofort die Polizei alarmiert. Um weiteren Schaden zu vermeiden, wurden alle Systeme vom Netz genommen, das Rathaus war nur telefonisch erreichbar. Die Stadtverwaltung rechnete damit, ab dem 19. Juli den Notbetrieb aufnehmen zu können.

Seit Donnerstag vergangener Woche sind auch IT-Forensiker mit dem Vorfall beschäftigt. Die Spezialeinheit der Kriminalpolizei ermittelt, ob es ein Phishing-Angriff per E-Mail war oder ein gezielter Cyberangriff auf die IT-Systeme der Stadt Burladingen. "Wir wollen erst wieder online gehen, wenn wir sicher sind, dass alles wieder einwandfrei funktioniert und wir unseren Bürgern einen stabilen Service bieten können", so Licht.

Cyberangriffe auf Kommunen

Dass nicht nur Unternehmen, sondern auch Kommunen Ziele von Hackerangriffen werden, sei mittlerweile "das neue Normal", erklärte Carsten Meywirth, Leiter der Abteilung Cybercrime beim Bundeskriminalamt, bereits Anfang des Jahres auf einer Online-Pressekonferenz. Neben Burladingen seien in den vergangenen Jahren unter anderem die Städte Potsdam, Geisenheim, Witten, Sassnitz und Wesel angegriffen worden.

Besonders brisant war die Cyberattacke auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt im Sommer 2021. Damals wurde der Katastrophenfall ausgerufen. 2016 war die bayerische Kleinstadt Dettelbach von einem Ransomware-Angriff betroffen. Die Kommune bezahlte 1,3 Bitcoin, damals rund 500 Euro, Lösegeld. Christian Stuffrein vom Deutschen Landkreistag sprach sich auf der Pressekonferenz für einheitliche IT-Sicherheitsvorgaben für Kommunen und hauptamtliche IT-Sicherheitsverantwortliche aus.

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Melanie Staudacher ist Editor bei CSO. Ihr Schwerpunkt ist IT-Security.