Hacker aus Nordkorea

Die Kryptokrise befeuert den Cybercrime

Fordern Cyberkriminelle Lösegelder in Bitcoin, machen sie derzeit weniger Gewinn als noch vor ein paar Jahren. Werden sie deshalb noch aktiver?
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CSO | 09. August 2022 11:37 Uhr
Die Inflation, steigende Zinsen und der Krieg in der Ukraine beeinflussen den Krypto-Markt stark.
Die Inflation, steigende Zinsen und der Krieg in der Ukraine beeinflussen den Krypto-Markt stark.
Foto: Sittipong Phokawattana - shutterstock.com

"Hacking ist heute die größte Bedrohung der Cybersicherheit", heißt es in einem Blogbeitrag von CryptoMonday. Besonders erfolgreich war dem Nachrichtenportal zufolge in diesem Jahr die Hackergruppe Lazarus. Sie soll bisher über eine Milliarde Dollar in Bitcoin erpresst und gestohlen haben.

Nordkorea hackt fleißig

CryptoMonday hat die Angriffe der Gruppe analysiert und mit Sicherheitsexperten gesprochen, die davon ausgehen, dass Lazarus zum "Reconnaissance General Bureau" gehört, welches wiederum Teil des nordkoreanischen Militärgeheimdienstes ist. Lazarus sei verantwortlich für Cyberattacken auf ausländische Banken, verschiedene WannaCry-Angriffe sowie den großangelegten Hack gegen Sony Pictures. Zuletzt hätten die Kriminellen 100 Millionen Dollar bei einem Angriff auf die kalifornische Blockchain Harmony erbeutet. Dem Bericht zufolge machen die Diebstähle von Lazarus bisher 60 Prozent aller gestohlenen Vermögenswerte des Jahres aus.

Marktschwankungen beeinflussen Cyberbedrohungen

Es ist zwar nach wie vor so, dass sich mit Ransomware eine Menge Geld machen lässt. Doch aufgrund der Inflation, steigender Zinsen und dem Krieg in der Ukraine haben der Bitcoin und andere Kryptowährungen an Wert verloren. Dadurch habe sich auch der Reichtum der nordkoreanischen Cyberkriminellen und somit der Regierung verringert. Die Analysten befürchten, dass die Cyberkriminalität zunehmen wird, sollte die Kryptokrise anhalten, damit Projekte wie das Raketenprogramm in Pjöngjang weiterfinanziert werden können. "Obwohl so etwas schwer vorherzusagen ist, sind wirtschaftliche Abschwünge im Allgemeinen mit vermehrten Cyberangriffen verbunden", sagt Avi Shua, CEO von Orca, dazu.

"Der kometenhafte Anstieg der Kryptowährungspreise in den vergangenen Jahren als Phänomen eines Bullenmarktes war sicherlich ein Faktor, der zur Zunahme der Aktivitäten der Cyberkriminalität beitrug, bei denen Kryptowährungen als Zahlungsquelle oder auch als Köder verwendet wurden", kommentiert Satnam Narang, leitender Forschungsingenieur bei Tenable. Er glaubt nicht, dass Cyberkriminelle in absehbahrer Zeit für ihre Lösegeldforderungen auf Fiat-Währungen zurückgreifen werden.

Melanie Staudacher ist Editor bei CSO. Ihr Schwerpunkt ist IT-Security.