Cyberbedrohungen der Zukunft

Darkverse – die dunkle Seite des Metaverse

Tech-Giganten erhoffen sich gute Geschäfte im Metaverse. Doch die virtuelle Parallelwelt könnte auch zu einer Plattform für Cyberkriminalität werden, warnen Sicherheitsforscher.
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CSO | 17. August 2022 16:18 Uhr
Das Metaverse könnte zum Darkverse werden.
Das Metaverse könnte zum Darkverse werden.
Foto: Trend Micro

Das Metaverse wird von vielen Unternehmen als große Chance für die Industrie und neue Arbeitsformen betrachtet. Doch der Sicherheitsanbieter Trend Micro warnt in einem aktuellen Forschungsbericht davor, dass Cyberkriminelle die Technik für ihre Zwecke missbrauchen könnten.

Die Sicherheitsforscher prognostizieren, dass dort eine Art Darknet-Struktur entstehen könnte, ähnlich wie im heutigen Internet. Die Machenschaften der Cybergangster könnten dabei sogar in geschützten Räume stattfinden, die nur von einem bestimmten physischen Ort aus und über gültige Authentifizierungstoken erreichbar sind. Damit wären ihre Untergrundmarktplätze unzugänglich für Strafverfolgungsbehörden.

Metaverse: Diese Bedrohungszenarien sind möglich

Das Darkverse könnte so zur Plattform für zahlreiche Cyberbedrohungen werden, mahnen die Forscher. Laut dem Bericht ist mit folgenden Bedrohungsszenarien im Metaverse zu rechnen:

  • NFTs werden im Metaverse zu immer beliebteren Mitteln, um Eigentum zu definieren und sind deshalb zunehmend von Phishing, Ransomware, Betrug und anderen Angriffen betroffen.

  • Da es für die Strafverfolgungsbehörden schwer zu betreten und zu überwachen ist, entwickelt sich das Darkverse zum bevorzugten Ort für illegale/kriminelle Aktivitäten. Tatsächlich könnte es Jahre dauern, bis die Polizei darin wirksam agieren kann.

  • Eine weitere Kriminalitätsform stellt die Geldwäsche mit Hilfe von überteuerten virtuellen Metaverse-Immobilien und -NFTs dar.

  • Social Engineering, Propaganda und Fake News haben in einer cyber-physischen Welt tiefgreifende Auswirkungen. Kriminelle und staatliche Akteure setzen manipulative Narrative ein, um anfällige und für bestimmte Themen empfängliche Gruppierungen zu erreichen.

  • Die Privatsphäre wird neu definiert. Die Betreiber Metaverse-ähnlicher Räume bekommen einen beispiellosen Einblick in die Handlungen der Nutzer - eine Privatsphäre, wie wir sie kennen, gibt es dort nicht mehr.

"Das Metaverse ist eine milliardenschwere High-Tech-Vision, die das nächste Internet-Zeitalter bestimmen wird. Obwohl wir nicht genau wissen, wie es sich entwickelt, müssen wir jetzt schon darüber nachdenken, wie es von Bedrohungsakteuren ausgenutzt werden kann und wie wir unsere Gesellschaft sinnvoll schützen können." kommentiert Udo Schneider, IoT Security Evangelist Europe bei Trend Micro.

"Angesichts der hohen Kosten und juristischen Herausforderungen werden die Strafverfolgungsbehörden in den ersten Jahren Schwierigkeiten haben, das Metaverse generell zu überwachen", ist Schneider überzeugt. Er fordert deshalb: "Die IT-Security-Branche muss jetzt eingreifen." Andernfalls würde sich "vor unserer digitalen Haustür ein neuer Wilder Westen entwickeln."

Julia Mutzbauer ist  Editor bei CSO. Ihr Schwerpunkt ist Security.