Bitkom-Präsident Berg

"Cyberkriminelle so präsent wie nie"

Obwohl immer mehr Internetnutzer Cyberkriminellen zum Opfer fallen, sorgen viele Anwender nicht für die gebotenen Sicherheitsmaßnahmen.
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CSO | 17. Dezember 2021 05:50 Uhr
Cyberkriminelle breiten sich immer mehr aus.
Cyberkriminelle breiten sich immer mehr aus.
Foto: Tartila - shutterstock.com

Nicht nur die andauernde Corona-Pandemie, sondern auch der starke Anstieg der Internetkriminalität fordern Gesellschaft und Politik heraus. Wie eine aktuelle Studie des Digitalverbands Bitkom zeigt, waren in den vergangenen zwölf Monaten acht von zehn Personen (79 Prozent) von kriminellen Vorfällen im Netz betroffen. Die Geräte von 47 Prozent der Geschädigten waren mit Malware infiziert und 39 Prozent berichten, dass persönliche Daten ungefragt an Dritte weitergegeben worden seien. Knapp ein Fünftel (19 Prozent) gibt an, bei privaten Einkäufen betrogen worden zu sein. Weitere 15 Prozent waren Opfer eines Betrugs beim Online-Banking. Lediglich 21 Prozent der Befragten haben noch keine negativen Erfahrungen gemacht.

Organisierte Angriffe auf Privatpersonen

Die verschärfte Sicherheitslage führt zu einer großen Verunsicherung unter den Nutzern: 77 Prozent halten ihre Daten im Netz für unsicher. Vor einer möglichen illegalen Nutzung von Passwörtern und Konten fürchten sich 62 Prozent. Weiterhin geben 83 Prozent an, sich von Schadsoftware bedroht zu fühlen. Nur ein Fünftel (20 Prozent) hält die eigenen Daten im Netz für sicher. "Cyberkriminelle sind derzeit so präsent wie nie", warnt Bitkom-Präsident Achim Berg. "Angriffe fallen heute gravierender aus als noch vor wenigen Jahren. Statt einfach Viren im Netz zu verbreiten, setzen Kriminelle auf organisierte Attacken - auch auf Privatpersonen. Es war deshalb noch nie so wichtig, die gesamte Bevölkerung für das Thema Internet-Sicherheit zu sensibilisieren."

Anwender sind zu arglos

Die Studienergebnisse zeigen jedoch, dass die wenigsten Anwender auf erweiterte Schutzmaßnahmen zurückgreifen. So setzen lediglich 37 Prozent der Nutzer von Online-Diensten auf die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Hierbei muss der Nutzer seine Anmeldung oder eine Transaktion mit einem zweiten Faktor bestätigen, zum Beispiel mit einer PIN oder dem Fingerabdruck. Wer seine Konten sichert, nutzt für gewöhnlich Bestätigungscodes per SMS (35 Prozent) oder via E-Mail (32 Prozent) sowie TAN-Generatoren (31 Prozent). Authenticator-Apps haben lediglich drei Prozent im Einsatz. 58 Prozent greifen auf keine der genannten Möglichkeiten zurück.

Zudem installieren lediglich 64 Prozent regelmäßig Updates, sobald diese vorgeschlagen werden. Sieben von zehn Nutzern (69 Prozent) haben darüber hinaus das Gefühl, sie würden Ausspähversuche durch Dritte nicht bemerken. Lediglich 41 Prozent fühlen sich in der Lage, ihre Geräte vor Angriffen durch Kriminelle zu schützen. "Für eine mündige Internet-Gesellschaft ist es entscheidend, dass sich alle Menschen sicher und selbstbewusst im Netz bewegen können", betont Bitkom-Präsident Berg. "Die aktuellen Vorkommnisse zeigen einmal mehr, wie wichtig es ist, alle Menschen zu digital mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu machen."

Den Ergebnissen zufolge bleibt die Anspannung in der Bevölkerung hoch: 98 Prozent der Internet-Nutzer erklären, die Bedrohung durch Cyberkriminelle werde immer größer. Sie fordern deshalb, dass die Politik darauf reagiert: 92 Prozent sind der Meinung, diese solle mehr Geld in spezielle Polizeieinheiten investieren, die gezielt gegen Kriminelle im Netz vorgehen. 91 Prozent wünschen sich mehr Polizeipräsenz im digitalen Raum. Lediglich sechs Prozent finden, Internetkriminalität werde in der öffentlichen Debatte übertrieben dargestellt.

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Julia Mutzbauer ist  Editor bei CSO. Ihr Schwerpunkt ist Security.