Analyse des Cyberwars

Cyberangriffe auf die Ukraine haben sich seit Kriegsbeginn verdoppelt

Nicht nur an Land, in der Luft und auf dem Wasser, sondern auch digital bekämpfen sich die russischen und die ukrainischen Truppen. Vor allem die Finanzbranche ist gefährdet.
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CSO | 14. September 2022 11:23 Uhr
Seit dem 24. Februar 2022 führen Russland und die Ukraine Krieg – auch im Cyberspace.
Seit dem 24. Februar 2022 führen Russland und die Ukraine Krieg – auch im Cyberspace.
Foto: Stuart Miles - shutterstock.com

Es ist ein weniger sichtbares Element im Krieg Russlands gegen die Ukraine, aber dennoch ein kritisches Mittel: der Kampf im Cyberspace. In einer neuen Studie untersuchen die Analysten des IT-Sicherheitsanbieters Check Point die Geschehnisse des Cyberwars im Zeitraum vom 21. Februar 2022 bis zum 1. August 2022.

Die Ukraine steht ständig unter Beschuss

Zwischen Februar und August dieses Jahres haben sich die Cyberangriffe auf den ukrainischen Regierungs- und Militärsektor laut Check Point Research (CPR) mehr als verdoppelt und sind um 112 Prozent gestiegen. Im Gegensatz dazu seien Cyberangriffe auf die russische Regierung und das Militär um 8 Prozent zurückgegangen. Sergey Shykevich, Threat Intelligence Group Manager bei Check Point, erläutert diese Beobachtung: "Auch wenn Russland nicht vollständig vom Internet abgeschnitten ist, wie es in früheren Berichten hieß, wissen wir, dass Regierungs- und Militärnetzwerke und -websites verschiedene Maßnahmen ergriffen haben, um den Zugang zu ihren Ressourcen von außerhalb Russlands zu beschränken, was die Ausführung einiger Angriffe erschwert."

Die Ukraine jedoch wurde ständig angegriffen: Über 1.500 Cyberangriffe gab es im Schnitt pro Woche auf dortige Unternehmensnetzwerke. Dies sind 25 Prozent mehr als vor dem Krieg. Laut den Forschern liegt der weltweite Durchschnitt bei 1.124 wöchentlichen Angriffen, in Russland sind es 1.434.

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Finanzbranche am häufigsten angegriffen

CPR berichtet zudem, dass die am meisten angegriffene Branche in Russland der Finanzsektor war, mit durchschnittlich mehr als 2.600 Angriffen pro Organisation pro Woche. Dies sei ein Anstieg von 24 Prozent im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg. Auf dem zweiten Platz ist die Kommunikationsbranche. Hier verzeichneten die Forscher im Schnitt 1.928 wöchentliche Angriffe pro Organisation. Dies entspreche tatsächlich einem Rückgang von 8 Prozent seit Kriegsbeginn. CPR führt diese Entwicklung auf einen stärkeren Fokus auf die Finanzindustrie zurück, auf die die globalen Sanktionen gegen Russland größere Auswirkungen hat.

Auch in der Ukraine war den Analysten zufolge die Finanzbranche am häufigsten Cyberattacken ausgesetzt. Im Schnitt waren es 1.841 Angriffe pro Organisation pro Woche, dies ist ein Rückgang von 29 Prozent. Check Point vermutet, dass diese Cyberattacken die Folge der verschiedenen staatlichen und individuellen Finanzhilfen sind, die der Finanzsektor erhalten hat. Auch Aktivitäten von Cyberkriminellen, die Spendengelder an die Ukraine abfingen, fallen in diese Statistik.

Die Forscher prognostizieren, dass die Hackergruppen nach dem Krieg nicht einfach verschwinden werden. Stattdessen würden sie ihre neuen Erkenntnisse nutzen, um neue Ziele auf der ganzen Welt anzugreifen. Erste Anzeichen dafür seien bereits zu erkennen, denn die Häufigkeit und Intensität der Angriffe auf NATO-Partner sowie auf die Länder, die der Ukraine zu Hilfe gekommen sind, habe zugenommen.

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Melanie Staudacher ist Editor bei CSO. Ihr Schwerpunkt ist IT-Security.