Nach dem Tod von Mahsa Amini

Anonymous hackt die iranische Zentralbank

Um Solidarität mit der iranischen Bevölkerung zu zeigen, führt die Hackergruppe Anonymous gezielte Cyberattacken auf die Regierung im Iran durch.
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CSO | 23. September 2022 10:21 Uhr
Im Iran müssen Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen und die Arme und Beine bedecken. Dieses Gesetzt setzt seit 1979 die Sitten- und Religionspolizei durch – teilweise auch mit Gewalt.
Im Iran müssen Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen und die Arme und Beine bedecken. Dieses Gesetzt setzt seit 1979 die Sitten- und Religionspolizei durch – teilweise auch mit Gewalt.
Foto: Mohasseyn - shutterstock.com

Als Reaktion auf den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini protestieren die Menschen im Iran gegen die repressive Politik. Amini wurde am 13. September während eines Besuchs in Teheran von der Sitten- und Religionspolizei festgenommen. Der Grund sei ihre "unislamische" Kleidung gewesen. Wie die Polizei mitteilte, fiel die junge Frau auf der Wache wegen eines Herzversagens in Ohnmacht und danach ins Koma. Am 16. September verstarb Amini. Nun wird der Polizei vorgeworfen, Gewalt angewendet zu haben. Diese weist die Anschuldigungen zurück. Was wirklich mit Amini geschehen ist, ist unklar.

Hacker solidarisieren sich mit Protestanten

Nun hat sich auch die Hackergruppe Anonymous den Protesten angeschlossen, allerdings im digitalen Raum. Online hatten die Aktivisten angekündigt, eine Cyber-Operation gegen die iranische Regierung zu starten. In einem Video erklärte die Gruppe, sie wolle die iranische Bevölkerung unterstützen und eine Reihe von Aktionen gegen die Regierung unter dem Namen "#OpIran" planen.

Das erste Ziel der Operation war es offenbar, die iranische Zentralbank lahmzulegen. Die Webseite der Bank ist seit dem 21. September nicht erreichbar.

Ein mutmaßliches Anonymous-Mitglied twitterte zudem: "Ihr könnt euer Blutgeld nicht benutzen. Lang lebe der freie Iran."

Der Verweis auf "DDos Empire", ein Community-Profil von Anonymous, lässt vermuten, dass die Webseite der iranischen Zentralbank mit einer DDoS-Attacke zum Zusammenbruch gebracht wurde. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim bestätigte dies am Mittwoch. Auch die Webseiten einiger Regierungsportale seien eine Zeitlang nicht erreichbar gewesen, darunter die des Regierungssprechers des Landes, dessen Datenbank gelöscht worden sein soll.

#OpIran läuft

Die Aktion #OpIran geht noch weiter. Anonymous verkündete, mehr als 1.000 öffentliche Kameras im Iran gehackt zu haben.

Auch staatliche Fernsehsender standen auf der Abschussliste.

Online erhält Anonymous viel Zustimmung. Auch, wenn die Hacker zuerst scheinbar fälschlicherweise einige private TV-Sender lahmlegten statt des Regierungssenders IRIB. Ein Angriff auf den staatlichen Sender scheint jedoch noch auszustehen.

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Melanie Staudacher ist Editor bei CSO. Ihr Schwerpunkt ist IT-Security.