Nach Cyberangriff

Albanien kappt Beziehungen zum Iran

Als Reaktion auf einen Cyberangriff, hinter dem Albanien den Iran vermutet, beendet das NATO-Land alle diplomatischen Beziehungen mit der islamischen Republik.
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CSO | 09. September 2022 08:29 Uhr
In Albanien konnten die Bürger aufgrund eines Cyberangriffs nicht mehr auf die Online-Dienste der Regierung zugreifen.
In Albanien konnten die Bürger aufgrund eines Cyberangriffs nicht mehr auf die Online-Dienste der Regierung zugreifen.
Foto: BUTENKOV ALEKSEI - shutterstock.com

Am 15. Juli musste die Nationale Agentur für die Informationsgesellschaft in Albanien ihre öffentlichen Online-Dienste und Regierungswebseiten abschalten. Wie das Newsportal Euractiv berichtete, wurde die Agentur Opfer einer Cyberattacke aus dem Ausland. Sowohl die Webseiten des Parlaments wie auch das Regierungsportal e-Alibania mussten stillgelegt werden. Somit konnten weder albanische Bürger noch ausländische Einwohner und Investoren die öffentlichen Dienstleistungen nutzen.

Albanien und Amerika beschuldigen den Iran

Wie die Tagesschau schreibt, hat Albanien nun alle diplomatischen Beziehungen zum Iran beendet, da man das Land hinter dem Cyberangriff vermutet. Albaniens Ministerpräsident Edi Rama begründete die Vermutung damit, dass es "unwiderlegbare Beweise" für die Schuld des Irans gebe.

Binnen 24 Stunden müsse das Botschaftspersonal des Irans Albanien verlassen. Wie Rama erklärte, habe man die NATO-Partner und andere befreundete Staaten über das Vorgehen informiert. Die Tagesschau zitiert den Ministerpräsidenten: "Eine eingehende Untersuchung hat uns unwiderlegbare Beweise dafür geliefert, dass die Cyber-Aggression gegen unser Land von der islamischen Republik Iran orchestriert und gesponsert wurde."

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wurden die Erkenntnisse der albanischen Regierung von Adrienne Watson, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der USA, bestätigt. Die iranische Hauptstadt Teheran werde für die Cyberattacke auf Albanien verantwortlich gemacht werden.

Albaniens Datenschutzskandale

Bereits im vergangen Jahr kämpfte das Land mit zwei großen Daten-Leaks. Der jüngste Vorfall ereignete sich Ende des Jahres und betraf laut FAZ fast 700.000 Menschen. Darunter seien Bankangestellte, Unternehmer, Beamte, Mitarbeiter von Geheimdiensten und des Militärs sowie Journalisten gewesen. Rama hatte damals auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben, dass es sich bei der Attacke um ein Leck handele, das "von innen heraus von Personen mit Zugang zu den Datenbanken" organisiert worden sei.

Beim Leak im April 2021 waren vor der Parlamentswahl die Daten von fast einer Million Albanern an die Öffentlichkeit gelangt. Ob auch bei dem Sicherheitsvorfall in diesem Jahr persönliche Daten verloren gegangen sind, ist bisher nicht bekannt.

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Melanie Staudacher ist Editor bei CSO. Ihr Schwerpunkt ist IT-Security.